Geheimnisvolle Mobilität / Historische Mobilität

Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem hässlichen Begriff der „Flüchtlingskrise am Mittelmeer“ als bestätigendem Stellvertreter dafür, worum es bei der Mobilität in Afrika scheinbar geht und unserem Versäumnis, die Mobilität in Afrika so differenziert zu betrachten, wie sie es verdient. Und das trotz der Tatsache, dass wir von einer „Krise“ sprechen, ohne die subversive Bewegung illegalen Kapitals zu berücksichtigen, die Flüchtlingsströme allgemein in der Realität unbeabsichtigt nach sich ziehen. Das ist zum Teil sicher auf unsere Analyse zurückzuführen, die den Maßstab nur selten in Afrika ansetzt, oder auf eine Betrachtung der Dinge auch nur aus einer tiefgreifenden afrikanischen Perspektive.

Afrikaner sind äußerst geübt, was Fragen der Fortbewegung betrifft, sowohl was Körper im Raum angeht, die große Entfernungen überwinden, als auch im Sinn von Ideen, die über die Weite des Kontinents reisen, sich zerstreuen, wieder zusammenfinden und verbessert werden, besonders angesichts der geringen Rolle, die das Schreiben als Aufzeichnungsmethode außerhalb des Niltals spielte. Methoden, die eine solche Verbreitung ermöglichen, entziehen sich noch immer unserer disziplinären Überprüfung, oder vielleicht entziehen sie sich auch dem Verständnis solcher Überprüfungsmöglichkeiten. Es ist also ausschließlich der unzureichenden Art und Weise zuzuschreiben, mit der wir auf die Vergangenheit zugreifen, dass die afrikanische Methode der Wissensproduktion die europäische Methode heutzutage bevorzugt. Der Beweis dieser in Bewegung befindlichen Wissenskultur – weitaus mehr als nomadologische Körper in Bewegung – liegt in den faszinierenden Objekten begründet, die sie uns hinterlassen hat, darunter auch jene, deren topologische Vernetzungsgrade wir eben erst zu klassifizieren und zu entschlüsseln beginnen. Große Teile der Funktionsweise dieser Wissenskultur bleiben unserem Verständnis verschlossen, sodass uns nichts anderes übrig bleibt, als das Geheimnis des uns bekannten Raums anzuerkennen, dessen Geheimnisse noch auf ihre Enthüllung warten.

Die immer noch rätselhafte Mobilität von Ideen, ihrer Verbreitung, ihren Strömen, Läufen und Wirbeln sind beinahe schwindelerregend oder zumindest atemberaubend, sofern wir uns die großen Kunsttraditionen vergegenwärtigen, die deren Objekte hervorbrachten. Die Methoden der Kunstherstellung verbreiteten sich, waren oft über Generationen „zusammengetragen“. Es handelte sich um gewisse Formen räumlicher Intensivierungen, deren Spannungen eine neue, aufstrebende Kultur hervorbrachte, was zum Beispiel beim Zusammenfließen von Strömen, Seen und kleineren oder größeren Flussbiegungen der Fall war, besonders im Kontext von Neuankömmlingen.

Fig. 1
Abraham Oretelius, 16. Jahrhundert, kolorierter Kupferdruck, 37 x 49 cm. Die Karte Afrikas zeigt wie der Fluss Niger sowohl nach Westen durch ein Seengebiet zum Atlantik und gleichzeitig nach Osten zum Tschadsee fliesst. Ursprünglicher Name: “Africae tabula noua”, in Ortelius’s Theatrum orbis terrarium. Antwerpen, 1584. Mit freundlicher Genehmigung der Princeton University, Historic Maps Collection.

 

Bei einer solchen Flussbiegung am Niger, auf die ich im Folgenden meinen Schwerpunkt legen möchte, handelt es sich topologisch gesehen eher um eine „im Fluss befindliche Biegung“ als um eine Flussbiegung angesichts der Tatsache, dass der Kurs eines Flusses zunächst flussartigem Verhalten zu trotzen scheint und viele Hundert Meilen flussaufwärts strömt, ehe er wieder umkehrt und beinahe kontraintuitiv in die Gegenrichtung fließt. Obwohl wir dies anhand von Luftaufnahmen moderner Kartografie zwar als „Biegung“ des Flusses bezeichnen würden, ist es empirisch betrachtet eigentlich keine Biegung, sondern eine Verlangsamung der Flussströmung, da das Wasser über Seen und Marschland, das sich Hunderte Meilen weit erstreckt, gefiltert wird, ehe es im Osten zusammengeführt wird, wo es sein Leben wieder als Fluss fortsetzt und in südöstlicher Richtung, nach Niger und Nigeria, weiterströmt. Kurz gesagt: Bei der „Biegung“ handelt es sich um ein Delta, das an eine Wüste grenzt und neue Vorstellungen von einem paradiesischen Terrain hervorbringt. Deshalb konnten die frühesten Karten ein solches Delta auch nicht erfassen (Abb. 1) und zeigten stattdessen einen Fluss, der sich nahezu geradlinig von Westen nach Osten erstreckt. Ich möchte jedoch die Vorstellung einer „im Fluss befindlichen Biegung“ in eine Metapher für die Interpretation einer ungewöhnlichen Art von Urbanismus für dieses Terrain verwenden, denn dort löst sie die starren Grenzen zwischen der recht klaren Vorstellung auf, die wir von einem städtischen Charakter haben und von einem städtischen Charakter in Bezug auf irgendeine vorausgehende soziale Organisation vor der Siedlung als solche – bezeichnen wir sie als „Nomadismus“. Dieser Abschnitt des Niger verflüssigt und verbiegt eindeutige Vorstellungen von Urbanismus und zwingt zu deren Neubewertung.

Das Netzwerk, das antike Städte in der Seenlandschaft des Niger miteinander verbindet, lässt auf den Transport von Gegenständen und Menschen schließen. Djenne-Djenno oder auch Alt-Djenné ist eine dieser Städte im Netzwerk. Ihre heute sehr bekannten Skulpturen scheinen in diesem Sumpfgebiet der geheimnisvollen Mobilität ein Fenster zur Übertragung von Ideen und Wissen zu öffnen. Ich bin der Ansicht, dass die Kunstwerke nicht nur auf die Dichte in den Städten verweisen, von denen Djenné nur eine ist, sondern auf die Entstehung ungewöhnlicher Vorstellungen zu Architektur und Stadt in diesem Gebiet. Mit anderen Worten: Ich möchte das Thema Mobilität von einem Standpunkt einer weiteren ungewöhnlichen Ortsveränderung aus beleuchten: dem der Bewegung, nicht nur von Menschen und Gegenständen, sondern auch von Ideen, darunter jene zu Architektur und Besiedlung sowie Kunst in Bezug zu diesen beiden, und ferner die räumliche Bewegung der Objekte selbst, die Gegenstand verschiedener Vorstellungen waren.

„Eine im Fluss befindliche Biegung“

Die „im Fluss befindliche Biegung“ des Niger und seiner Städte scheinen ein typisches Beispiel für Produktivität darzustellen, die es verhindert, von der Natur aufgezehrt zu werden, die übermäßiger Ausbeutung gegenüber feindlich eingestellt ist. René Cailliés Zeichnung von Timbuktu aus dem Jahr 1828 ist die früheste bekannte bildliche Darstellung dessen, was bis dahin eine sagenumwobene Stadt in europäischen Überlieferungen war.1 Vor der Bewertung ihrer Bedeutung sollten wir festhalten, dass Caillié die Zeichnung – obwohl wir wahrscheinlich viele ihrer Strukturen im Vergleich zu anderen europäischen Charakterisierungen der Länder Afrikas südlich der Sahara im 19. Jahrhundert als Ort ohne Zivilisation als ziemlich beeindruckend empfinden –, eigentlich schuf, um seinen eigenen abwertenden Text zu stützen. Ihr Zweck war es also, das negative Bild zu vermitteln, den er sich von einer Stadt gemacht hatte, die er als trostlos und uninteressant empfand – eine Ansammlung von Bruchbuden mitten in der Wüste –, nachdem er doch ursprünglich nach Timbuktu gereist war, um seine Erwartung der Mythen über diese Stadt bestätigt zu finden. Zumindest lässt die Zeichnung (die ursprünglich farbig war) zumindest erkennen, dass es sich um eine Stadt handelt, die der vorislamischen Stadt, die ich untersuchen möchte, sehr ähnlich ist.

Die Zeichnung zeigt zunächst eine Reihe horizontal und beinahe vertikal angelegter Straßen, weist jedoch auch eine unerwartete Mischung wuchtiger, blockartiger Gebäude auf, offensichtlich herrschaftliche Häuser, sowie größere institutionelle Bauwerke mit hohen Mauern und aufwendigen, gliedernden Architekturelementen und halbkugelförmigen Häusern, die mit ungewöhnlicher Willkür in die Räume dazwischen gesetzt wurden. Diese halbkugelförmigen Häuser, jedes mit einem einzigen Ausgang versehen, erscheinen neben den hohen, geraden Gebäuden geradezu flüchtig und sind mit großer Wahrscheinlichkeit Beispiele der leichten, transportablen Architektur der Peul- bzw. Fulbe-Nomaden.2 Die dauerhaften Gebäude wurden wohl in Lehmziegelweise errichtet, die noch heute üblich ist.3 Was wir hier sehen, ist tatsächlich eine andere Vorstellung von Stadt und Urbanismus. Der Sahel-Urbanismus sollte – das gilt für das damalige Timbuktu ebenso wie für das heutige Agadez oder Gao – als afrikanische Verbindung von Dauerhaftigkeit und Immobilität mit temporären, ephemeren und mobilen Strukturen verstanden werden, innerhalb derselben einzigartigen Räume einer urbanen Landschaft.

Die westliche Vorstellung von der Stadt scheint eine solche Vorstellung von Urbanismus abzulehnen,4 wie die Schwierigkeiten vermuten lassen, die die Roma im 21. Jahrhundert mit urbanen Systemen haben, die sie heute ebenso wie vor Hunderten von Jahren zu verdrängen versuchen. Was Timbuktu hingegen nahelegt, ist die Vermutung, dass afrikanische Städte unter der afrikanischen Herrschaft vor der Kolonialisierung Instrumente entwickelt hatten, um ihre Regelungen und Systeme so zu organisieren und zu überwachen, dass die Formen städtischen Grundbesitzes, das Zugangsrecht und die regelmäßige vorübergehende Beschäftigung offenbar in Bezug zu einer produktiven Regulierung der Schnittstellen zwischen Dauerhaftem und Temporärem angelegt waren. Temporäre Strukturen in Timbuktu waren ein legitimer Teil der Stadtlandschaft. Der Raum dieser Stadt kam dem ungeplanten Auftreten temporärer Gebäude eindeutig entgegen. Wir können davon ausgehen, dass solche gemischt angelegten Städte eine unglaubliche Effizienz ermöglichten, da die vorübergehende Beschäftigung einer beteiligten Gesellschaftsschicht, zum Beispiel im Bereich des Warentransports, sowohl ihre Entfernung aus den Städten als auch ihre Transporte dorthin, Formen der Flexibilität annahm, die ohne diese Kombination von mobil und immobil undenkbar gewesen wären.

Ideosphäre

Wir sollten die einst in Timbuktu herrschende Flexibilität als eine Art Ideosphäre betrachten, die sich innerhalb der scheinbar stabilen Existenz selbst der dauerhaften Architektur in Sahelzonen-Städten (und Sahelzonen-Kunst sowie „Siedlungs“-Typologien, darunter jene, die städtisch sind) feststellen lassen. Aus diesem Grund bieten diese Städte die einzigartig Möglichkeit für ein umfassenderes Verständnis für die Bedeutung von Mobilität. In Bezug auf die Übertragung von Konzepten, die mit dieser Form des Urbanismus in Zusammenhang stehen, mag die bloße Vorstellung von fixen Strukturen innerhalb einer solchen Stadt, das heißt von „Architektur“ per se, der Vorstellung von Mobilität zuwiderlaufen (in dem Sinn, in dem Architektur als kaum beweglich und schwer veränderbar gilt) – wie es sicherlich für die vielen verschiedenen Arten von Architektur zutrifft, zu denen eben auch diese gehört. Dennoch ist Architektur tatsächlich ein Knotenpunkt philosophischen Denkens, und ihre Geschichte erhebt den Anspruch, die Stadt zu erklären, sowie sie auch Anspruch auf Analogien zur Natur erhebt und in gleichem Ausmaß den pragmatischen Ansatz definiert, wie reale Dinge in einer Welt der Herstellung interagieren und sich miteinander verbinden, wobei sie Analogien für andere Arten von Verbindungspunkten, Nahtstellen und Bewegungen bietet – zum Beispiel im Bereich der Biologie.5

Tatsächlich gibt es eine identifizierbare Architektur und ein visuelles Vokabular von Gebäuden, nicht nur in der Region Timbuktu, nicht nur von Segu nach Gabo, sondern über Tausende Meilen, die sich nach Süden in Richtung von Städten in der Niger-/Nigeria-Grenzregion erstrecken, wie Zinder, Maradi, Kano, Katsina oder sogar Zaria. Auch bei ihnen handelt es sich um jahrhundertealte Städte, die – obwohl sie sich eher in der Savanne als in der Sahelzone befinden – offenbar genauso der gleichen Mischung aus gespenstischer Aneignung unterworfen waren. Es ist rätselhaft und schwer zu verstehen, wie die Architektursprache sich oft über weite, unbewohnte Gebiete hinweg ausbreitete, besonders wenn wir bedenken, dass dies ohne die Technik der Zeichnung geschah. In dieser Region finden wir etwas, das einer Ideosphäre ähnelt.

Ideosphären werden geschaffen, sie entstehen im Kontext einer sich ausbreitenden Übertragung. Tatsächlich besteht kein Zweifel daran, dass wir innerhalb einer Architektursprache und ihres komplexen Übertragungssystems die fortschrittliche Entwicklung von Zünften voraussetzen. Obwohl Wissenschaftler uns in jüngster Vergangenheit deren Existenz bestätigten, ist es doch schwierig, sich vorzustellen, dass sie bereits lange vor ihren mittelalterlichen europäischen Pendants existiert haben sollen, vielleicht sogar schon vor zwei Jahrtausenden.

Man könnte sich dieser Weitergabe von einer Generation zur nächsten, die solche Dinge unterstützt, annähern, indem man sich ein wenig Wissen über afrikanische Methoden der überlieferten Erinnerung aneignet. Es gibt einen Grund, weshalb das, was Europäer als „Ahnenkult“ missverstehen, für Afrikaner ein dermaßen beständiges Konzept ist. Obwohl ich mir eine Studie zur Mobilität vorstellen kann, die einen Wissenstransfer anhand überlieferter Verfahren untersucht, geht es mir hier eher um die räumliche Übertragung. Die sich verändernden Formen und dynamischen Konstrukte der Übertragung von Ideen über und durch Raum und Bewegung, wie sie in Schriften zur Architekturgeschichte stehen, wurden auf sehr unterschiedliche Art und Weise und höchstwahrscheinlich früher von afrikanischen Ideen in Bewegung dargestellt. Mobilität entstand an allen möglichen Schauplätzen und umfasste rätselhafte Verfahren oder Konzepte. Afrikanische Methoden zur Übertragung gründen jedenfalls auch auf der Art und Weise, in der Menschen des Kontinents, in all ihrer Vielfalt, reisen und gereist sind und sich jahrtausendelang fortbewegt haben.

Urbane Typologie der „im Fluss befindlichen Biegung“

Timbuktu war nicht die einzige Stadt, die mit der Organisation temporärer und dauerhafter Gebäude zu tun hatte. Tatsächlich liegt die Vorstellung von der besonderen Wiederholung einer räumlichen Durchmischung dem zugrunde, was im chronologischen Verlauf dem modernen Scheitelpunkt antiker Geschichte ähnelt, obwohl diese jahrtausendealte temporäre Zwanglosigkeit oft übersehen wird.6 Die Gründung Timbuktus um das 9. Jahrhundert herum verblasst im Vergleich mit älteren räumlich gemischten Städten der Region und jenen, die seitdem verschwunden sind oder überbaut wurden. Zum größten Teil verdanken wir das zunehmende Bewusstsein für afrikanischen Urbanismus abseits des Niltals – dem Timbuktu nachempfunden wurde – der archäologischen Forschungsarbeit von Susan und Roderick McIntosh, die davon ausgehen, dass dies seit etwa 2500 v. Chr. der Fall ist.7 Als Idee von einer Form der Stadtgestaltung kam deren Logik auch in anderen Städten der Sahelzone zum Tragen, vergleichbar mit den besser bekannten antiken Stadtplanungen im Bereich des fruchtbaren Halbmonds im Nahen Osten, die in derselben Zeit entstanden.8

Eine dieser Städte sticht heute als diejenige heraus, deren Archäologie ein umfassendes Spektrum von Artefakten hervorgebracht hat, darunter Terrakottaarbeiten aus der ausgehenden vorislamischen Periode, nämlich Djenne-Djeno (Alt-Djenné), also das vorislamische Djenné. Angesichts der Datierung der Artefakte vom 11. bis ins 16. Jahrhundert ist das bereits sehr spät in der Geschichte der Stadtplanung dieser Region. Einen ebenso wichtigen zum Umfeld, wie wir es uns vorstellen bieten die zwar offensichtlichen, jedoch noch nicht völlig entschlüsselten Verbindungen – hier hat die kunsthistorische Forschung mit unterschiedlichem Erfolg9 gekämpft – zwischen Kunstwerken aus Djenné und alten mündlich überlieferten historischen Traditionen, die seit Jahrtausenden in der Stadt zirkulieren.

Fig. 2
Ansicht eines Teils der Stadt Temboctou von der Spitze eines Hügels im Nordosten aus gesehen (Von einer französischen Bildlegende ins Englische übersetzt. Deutsche Übersetzung: Teresa Fankhänel). Aus: René Caillé, Journal d’un voyage à Temboctou et a Jenné. Paris, 1830. Mit freundlicher Genehmigung der British Library.

 

Mein derzeitiges Lieblingswerk aus Djenne-Djenno befindet sich heute in der Menil Collection in Texas (Abb. 2). Es besteht aus Terrakotta und zeigt ein beinahe quadratisches Gebäude, das Dach oben zu einer einfachen Spitze zusammengenommen. Es verfügt über einen einzelnen Eingang, von dem vergleichsweise lange schlangenförmige Körper ausgehen. Radiografische Aufnahmen, die vor Kurzem entstanden sind, zeigen, dass die seilartigen Erweiterungen, die vom Eingang ausgehen, Schlangen darstellen und dass sich zergliederte Köpfe im Inneren dieses Gebäudemodells befinden, das höchstwahrscheinlich das Lehmmodell eines Tempels darstellt. Eine der zahlreichen mündlichen Überlieferungen in dieser Region berichtet von der antiken Stadt Wagadu, die von einer gigantischen Schlange (und vermutlich auch von deren Sprösslingen) belagert wurde, sowie von der Tapferkeit des Helden, der die Schlange erlegte. Eine andere Erzählung, über Sundiata, berichtet von seinem heidnischen Erzfeind Sumanguru. Wenig überraschend für den Islam in der Epoche des Glaubenswechsels äußert sie sich abfällig über die vorislamische Religion und verhöhnt den heiligen Status der Schlange in den heiligen mündlichen Texten dieser Religion. Faszinierend dabei ist, wie die Idee von der heiligen Schlange über die weiten Flächen des Binnendeltas gelangte und bildende Künste, poetische mündliche Überlieferungen und auch politische Gründungsmythologien aus postislamischer Zeit das gleiche Motiv aufgriffen.

Egalitäre Städte

Djenne-Djenno ist eine Stadt in einer Gruppe von Städten, die sich an beiden Ufern der Flussbiegung des Niger von Segu am westlichen Abschnitt bis Gao am östlichen erstreckten. Was an diesen Städten wirklich erstaunt, das ist – wie die archäologischen Forschungen der McIntoshs ergeben haben – die Tatsache, dass sie äußert gut organisierte, bevölkerungsreiche Stadtstaaten mit einem hochentwickelten und komplexen religiösen Leben waren. Dieses umfasste auch etwas, das man als „kosmologisches Verständnis“ bezeichnen könnte, weshalb sie höchstwahrscheinlich mit einer Priesterschaft ausgestattet waren, obwohl nur wenig für eine Monarchie oder eine Priesterklasse als solche spricht. Mit anderen Worten: Djenne-Djenno operierte – wie andere Städte in diesem Netzwerk – innerhalb einer strukturell flachen sozialen Hierarchie. Obwohl die Kunstwerke aus Djenne-Djenno auf Institutionen wie eine bewaffnete, berittene Armee schließen lassen (eine Kavallerie) (Abb. 3), gibt es keine offenkundigen Anzeichen für einen Territorialstaat, der um ein einzelnes mächtiges Individuum wie einen König aufgebaut war. Anhand dessen, was die Häuser der Stadt uns erzählen, war die Bevölkerung, die diese Stadt bewohnte, zudem nicht einmal annähernd so sozial gegliedert, wie das später in islamischer Zeit der Fall war. Es waren Städte, die den Handelsstädten am Mittelmeer näherstanden als königlichen Städten mit tiefgreifenden und getrennten sozialen Hierarchien, die in einem monarchischen System in einer höchst differenzierten Architektur ihren Ausdruck fänden.

Fig 3.
Schrein mit Schlangen, Terrakotta. Djenné-Djenno, Mali, 14.-17. Jahrhundert, Höhe 22 cm. Mit freundlicher Genehmigung des New Orleans Museum of Art, Robert P. Gordy Fund, 90.196.

 

Die Städte im Seegebiet des Niger umfassten auch die jüngere Stadt Timbuktu – eine Stadt, die, obwohl sie keinen König hatte, dennoch eindeutig über eine Reihe dauerhafter Gebäude verfügte: von Anlagen, umgeben von hohen Mauern mit Zinnen, die Festungen oder Zitadellen glichen, über Moscheen bis hin zu unterschiedlich großen Häusern, die parallel zueinander angeordnet waren. Viele solcher Städte, zum Beispiel Gao, wurden später dafür vereinnahmt, eine Geschichte der Sahelzone unter der Herrschaft des Islam zu liefern,10 obwohl wir wiederholen müssen, dass ihre Existenz dem Islam vorausgeht. Eine der bekanntesten dieser Erzählungen, in dem das Territorium gewissermaßen dem Islam zugeschrieben wird, ist das Epos von Sundiata (oder Sunjara), der später der erste muslimische Herrscher des Staats Mali werden sollte.11 Das Epos schildert Sundiatas ausgedehnte Reisen und verbindet die Politik neuer Staatsgründungen mit den Taktiken einer persönlichen Flucht des Proto-Anführer, die mit der Angst vor seiner politischen Auslöschung in Verbindung steht.12 Die ausweichenden Routen des muslimischen Pioniers Sundiata folgten zweifellos Wegen, die schon zuvor bekannt gewesen sein müssen. Seine Fortbewegung ist ein Hinweis auf die fabelhafte Mobilität in dem vorislamischen Raum dichter Netzwerke und Routen.13

Fig. 4
Reiterfigur, Terrakotta. Djenné-Djenno, Mali, 13.-15. Jahrhundert, 70.5 x 15.2 x 45.7 cm. Mit freundlicher Genehmigung von Franko Khoury, National Museum of African Art, Smithsonian Institution, Washington D.C.

 

Zusammenhängende Anhäufungen?

Es gilt zu beachten, dass der Komplex von Vorstellungen, die diese antiken Stadtgruppierungen im Gebiet der Binnenseen hervorbrachten, nicht unbedingt einzigartig oder auf dem afrikanischen Kontinent ohne Vorbilder waren, sogar wenn wir Ägypten und das sudanesische Niltal ausnehmen. Der Zusammenfluss von Niger und Benue, knapp außerhalb von Lokoja in Nigeria, kann hier als Beispiel dienen. Lokoja liegt Hunderte Meilen südöstlich von Djenné, scheint jedoch im unauffälligen Zentrum einer bemerkenswerten uralten Region des Kunstschaffens zu stehen, die sich in einem etwa strahlenförmigen Bogen bis ungefähr 200 Meilen nördlich von Lokoja entfernt erstreckt. Innerhalb dieses Bogens finden sich die rätselhaften Kunstwerke der Nok. Die frühe Nok-Kunst, größtenteils aus Terrakotta gefertigt, lässt sich auf um 1000 v. Chr. datieren, womit einige der Skulpturen wohl zur gleichen Zeit wie das Neue Reich in Ägypten entstanden. Wenn wir uns den Zusammenfluss als Y-Form vorstellen, die drei Sektoren aufweist, dann befindet sich Nok bezeichnenderweise im nördlichen Sektor und zwei beeindruckende, jedoch spätere Kunstanhäufungen in den beiden anderen Sektoren, die sich ebenfalls etwa 200 Meilen von Lokoja entfernt befinden. Im südöstlichen Sektor entwickelte sich die als Igbo Ukwu bekannte Kunst,14 die einige Hundert Jahre nach dem Ende von Nok die wohl hochentwickeltste Kunsttradition ((Afrikas? der Welt?)) in Bronze und Messing hervorbrachte (und später zur königlichen Messingkunst des Kaiserreichs Benin beitrug). Der dritte Sektor, Ile-Ife, auch bekannt als Ife,15 der tatsächlich sowohl Ife als auch die Stadt Owo, die in einiger Entfernung in Richtung der Stadt Benin lag, umfasste, war gewissermaßen eine lokal neu erfundene und vielleicht technisch perfektionierte Fortführung der ersten beiden Sektoren (Nok mit den Terrakotten und Igbo Ukwu mit den Bronzen). Er folgte Letzterem dabei in einem verdichteten historischen Zyklus. Mit anderen Worten: Auch hier haben wir auf relativ kleinem Raum – im Vergleich zur Weite Kontinentalafrikas – eine unvorstellbare Anhäufung technisch komplexer, ästhetisch voll ausgebildeter und ikonografisch stabiler Gesellschaften, die Kunst schufen (im Fall von Ile-Ife und Owo waren es in beiden Fällen städtische Gesellschaften. Die anderen beiden weisen einen eher unsicheren Status auf, wenn es um Verbindungen zu noch zu entdeckenden Urbanismen geht), selbst wenn damit eine räumliche Querung von Flüssen durch Ideen einhergeht und ebenso eine Generationenverschiebung. Die bloße Möglichkeit dieser hypothetischen Reise eines Ideenkomplexes muss – wie im Fall der Binnenseengebiete des Niger – jene Formen kultureller Übertragung umfassen, die für uns immer noch unerklärlich sind und die eine neue Mobilität ermöglichen, deren Fülle wir kaum begreifen. Die vergleichsweise begrenzten archäologischen Ressourcen, die in der Region eingesetzt werden, sind nicht sonderlich von Nutzen, obwohl Wissenschaftler, darunter die McIntoshs, zwar bescheidene, aber dennoch bedeutende Ergebnisse erzielen konnten, welche die Hypothese stützen.

Die Mobilität von Körpern

Kehren wir nun zurück zum Thema Djenne-Djenno. Mit Cailliés Zeichnung von Timbuktu im Hinterkopf begreifen wir, dass die Mischung von dauerhaften und beweglichen Gebäuden innerhalb des städtischen Raums auf Formen der Mobilität hinweist, die – im Gegensatz zur Region des Niger-Zusammenflusses – gut bekannt sind. Wäre man zum Beispiel nur an einer wortgetreueren Vorstellung von Fortbewegung oder Migration interessiert, dann gibt es für das Landesinnere des Niger die vorislamischen Fulbe-Völker (das heißt die Wodaabe- und Bororo-Völker und Fulani anderer Clans) und ihre unglaublich komplexen Kosmologien, die in Hampaté Bâs Transkriptionen antiker mündlicher Texte festgehalten wurden16 – ungeachtet der temporären, geisterhaften, rund angelegten, gewölbten Häuser, die sich zwischen den geradlinigen dauerhaften Gebäude Timbuktus finden. Fulbe-Kosmologien und die wunderbar poetischen mündlichen Texte, in denen sie überliefert wurden, scheinen dem früher einzigartigen und fortschrittlichen transkontinentalen Nomadentum der Fulani zu entspringen sowie dem unsichtbaren räumlich-architektonischen Sinn, der ihre Existenz voraussetzt.17

Die Mobilität und Formen der Vermittlung wurden in den 1990er-Jahren herrlich verkompliziert durch Jean-Loup Amselle, der sich gegen die Vorstellung aussprach, dass die Fulbe und somit jede afrikanische Ethnie über die Art von Stabilität verfügten, die wir ihnen in unserem vergleichsweise immobilen Denken fälschlicherweise zuschreiben.18 Bei der Peul- bzw. Fulbe-Bewegung, welche die Bewegung von Ideen zu skulpturaler Darstellung und Architekturstilen möglicherweise untermauert – zumindest in den Weiten der Sahelzone –, ging es tatsächlich wohl genauso viel um die heute ungewohnte Wahrnehmung und Einordnung von Körpern, die eigenständig im Raum reisen (was Labelle Prussin und Jean-Paul Bourdier darzustellen versuchten),19 wie um die Bewegung, durch welche Körper in einem beinahe wellenförmigen Prozess zu Fulbe zu werden. Es geht ferner um die Übertragung von Ideen, die durch diesen Prozess entstanden sein müssen und die einer Mobilität nachspüren, die getrennte Einheiten besiedeln, anstatt deren Verlagerung im Raum zu erzwingen. Doch bedeutet dies nicht, dass Fulbe zu werden – damit meine ich ohne Gewalt – die Mobilität von Ideen beinhaltet, indem bereitwillige Körper zu neuen Untergebenen und mit einer neuen Orientierung geformt werden? Die Verläufe, Topologien und Hilfsarchitekturen solcher enigmatischer Bewegungen, die auf diese Weise nichtsdestoweniger auch den Fernhandel unterstützt haben, sind sogar Historikern in Afrika noch kaum bekannt. Die gilt vor allem für Epochen vor der christlichen Zeitrechnung, die Europäer und/oder Araber nach Afrika brachten.20

Fazit: Wissensproduktion als Mobilität

Trotz der verzerrten Beschreibungen des Kontinents, die aus der Beharrlichkeit der Disziplin hervorgegangen sind und die sich Afrika als stagnierend und immobil vorstellen und es auch so darstellen,21 oder die allenfalls den Blick für eine unzulänglich verstandene Mobilität aufwiesen wie Wanderweidewirtschaft oder „Nomadismus“, der sich über weite Strecken ausdehnt,22 wissen wir, dass Afrika im Stillen zu einem ganz wesentlichen Wissen über unsere Welt und die möglichen Methoden beigetragen hat, sie zu manipulieren oder mit ihr zu arbeiten. In bin der Ansicht, dass dies an einem Phänomen wie dem Wissenstransfer deutlich wird – sowohl in räumlicher als auch in generationsübergreifender Hinsicht. Es lässt sich sich wohl behaupten, dass dies der Vielfalt afrikanischer Siedlungen entgegensteht – Urbanismus-, Architektur- und Kunstuniversen Afrikas – in ihrer ganzen nicht utopischen Vielfalt. Obwohl also Mobilität tendenziell als eine intellektuelle Strategie, ein erkenntnistheoretisches Paradigma in Beziehung zur heutigen Welt eingesetzt wird, sollten wir ebenso viel Interesse an dem bekunden, was ich als „historische Mobilität“ bezeichnen möchte. Damit meine ich die körperliche und konzeptuelle Entwicklung einer kulturellen Energie, die im Laufe der Zeit die kulturellen und sozialen Universen des weiten Kontinents Afrika erschaffen hat. Wir sind aufgerufen, diese Energie zu erfassen – einfach deshalb, weil Afrika immer noch der am wenigsten verstandenen aller Welten angehört.

Selbst innerhalb des vermeintlich neutralen und objektiven, scheinbar homogenen Universums akademischen Wissens steht Afrika erst am Anfang der Betrachtung als Gegenstand nicht exotischen Wissens in dem leicht kompromittierenden Fach „Afrikanistik“. Es besteht jedoch die Schwierigkeit, dass die Ursprünge solcher Studien um nichts stabiler sind als die europäischen Vorurteile aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie die politische Ökonomie des Kalten Kriegs im 20. Jahrhundert.23 Die schlussendliche Auswirkung meines Interesses am Rätsel des vorislamischen Urbanismus in der Sahelzone thematisiert das Gesamtsystem des disziplinären Wissens sowie die Form des Wissens, das wir als „interdisziplinär“ beschreiben. Ich behaupte, dass es auch letzterer Form nicht gelingt, die Ungerechtigkeit, die mit dem Wissen über Afrika und seiner Darstellung einhergeht, zu beseitigen. Und obwohl das Thema, das sich daraus ergibt, nicht das Hauptthema dieses Essays ist, könnte die Schlussfolgerung lauten: Wir können Afrika nur dann beschreiben, wie es seiner Realität und seiner Geschichte entspricht, wenn institutionelle Einrichtungen, die sowohl die jeweiligen Disziplinen als auch eine interdisziplinäre Forschung unterstützen, umgestaltet werden. Oder anders ausgedrückt: Ich spreche letztendlich von der Möglichkeit, Wissensproduktion selbst als Mobilität zu betreiben – als höchst flexibles, ständig dem Wandel unterworfenes, dynamisches System, das sich zwischen seinen Knotenpunkten austauscht.

Endnotes

1. René Caillié, Travels through Central Africa to Timbuctoo: And across the Great Desert, to Morocco, Performed in the Years 1824–1828, London 1968.

2. Verschiedene Namen beziehen sich auf diese Völker. Im Senegal und in den benachbarten Gebieten werden sie als „Peul“ und „Fula“ bezeichnet, im mittleren Westafrika, darunter auch Nigeria, als „Fulbe“, „Fula“ und „Fulani“. Alle sprechen jedoch eine gemeinsame Sprache: „Fulfulde“.

3. Siehe Trevor Marchand, The Masons of Djenne, Bloomington 2009.

4. Die westliche Idee und Fantasievorstellung von der Stadt findet ihren theoretischen Ausdruck im Terminus „Idealstadt“, die sich als formal organisiertes, leicht lesbares, visuell gegliedertes System definieren lässt, in dem zum Beispiel der öffentliche Raum deutlich von Zonen der Privatsphäre abgegrenzt ist und das System der Eigentumsverhältnisse gewisse Rechte verleiht; sowohl von Tätigkeit als auch von Anwesenheit. ((Was ist damit gemeint?))

5. Siehe zum Beispiel Spyros Papapetros, On the Animation of the Inorganic: Art, Architecture, and the Extension of Life, Chicago 2012; Paul Dobraszczyk und Peter Sealy, Function and Fantasy: Iron Architecture in the Long Nineteenth Century, New York 2016.

6. So führt zum Beispiel Henry Louis Gates’ Dokumentation Wonders of the African World ein Kamerateam zu einer anderen Stadt in der Sahelzone, und zwar Djenné. In seinem Wunsch, die „großartige Architektur“ der Stadt in den Mittelpunkt zu stellen, besonders die antiken Moscheen, rast er (als die Erzählerstimme der Dokumentation) buchstäblich durch die Stadt und kommentarlos an den temporären Gebäuden vorbei. Sie bleiben seinem großstädtischen Blick verborgen. Solche Gebäude waren jedoch ebenso Teil der Stadt wie die monumentalen Bauten. Man fragt sich, ob Gates davon ausgeht, dass sie für seinen Bericht über das Altertum nicht von Bedeutung gewesen wären, etwa in der Größenordnung eines temporären Occupy-Wall-Street-Protestcamps, und nicht ein wesentlicher Teil solcher Städte für Hunderte von Jahren.

7. Susan K. McIntosh und Roderick J. McIntosh, Prehistoric Investigations in the Region of Jenne, Mali: A Study in the Development of Urbanism in the Sahel, British Archaeological Reports International Series 89, Oxford 1980; Roderick J. McIntosh, Joseph A. Tainter und Susan K. McIntosh (Hrsg.), The Way the Wind Blows: Climate, History, and Human Action, New York 2000.

8. Der antike ägyptische Urbanismus und das urbane Zentrum des Zusammenflusses von Tigris und Euphrat, dem jenem des alten Ägypten oft gegenübergestellt wird.

9. Bernard De Grunne, Albert Maesen, Doreen Stoneham, Jacqueline Evrard und Claire W. Enders, Terres cuites anciennes de l’Ouest africain, Institut supérieur d’archéologie et d’histoire de l’art, Louvain-la-Neuve 1980.

10. Ousmane Kane, Beyond Timbuktu: An Intellectual History of Muslim West Africa, Cambridge, Massachusetts 2016.

11. Ralph Austen (Hrsg.), In Search of Sunjata: The Mande Epic as History, Literature, and Performance, Bloomington 1999.

12. Sundiate, auch bekannt als Sunjara, um den sich auch heute noch eine epische mündliche Tradition rankt, war vermutlich von Kindheit an verkrüppelt. Ständig in Bewegung, um seinen politischen Gegnern zu entkommen, die versuchten, ihn auszuschalten, tauchte er unter anderem bei seinen Verbündeten unter. Gegen alle Widerstände gelang es ihm zu überleben, bis sich sein Schicksal wendete.

13. In Bezug auf die Postkonvertierung (zum Islam), nachdem der Islam in der Sahelzone etabliert werden konnte, sticht Mansa Musa, König Musa, heraus, der furchtlose Herrscher auf Reisen, der als einer der reichsten Männer der Welt alle Hebel in Bewegung setzte, um nach Mekka pilgern zu können. Doch welcher Route folgte er und wie genau bewerkstelligte er diese Reise in logistischer Hinsicht? Wie war es möglich, Wissen zu überliefern? Und es wie konnte der König sein Reich für lange Zeit verlassen und sich seiner Rückkehr relativ sicher fühlen? Ganz abgesehen davon: Wie konnte der Erhalt seines Throns in den Jahren seiner Abwesenheit garantiert bleiben?

14. Thurstan Shaw, Igbo-Ukwu; an account of archaeological discoveries in eastern Nigeria, Evanston, Illinois, 1970.

15. Frank Willett, Ife in the History of West African Sculpture, New York 1967; Henry John Drewal und Enid Schildkrout, Dynasty and Divinity: Ife Art in Ancient Nigeria, Museum for African Art, New York 2009; Suzanne Preston Blier, Art and Risk in Ancient Yoruba: Ife History, Power, and Identity, c. 1300, New York 2015.

16. Amadou Hampaté Bâ und Germaine Dieterlen, Koumen: texte initiatique des Pasteurs Peul, Paris 1961.

17. Labelle Prussin, African Nomadic Architecture: Space, Place, and Gender, Washington 1995.

18. Siehe Jean-Loup Amselle, „Fulani, Bambara, Malinke: A System of Transformations“, in: Amselle, Mestizo Logics: Anthropology of Identity in Africa and Elsewhere, Stanford, Kalifornien 1998.

19. Siehe zum Beispiel Jean-Paul Bourdier und Trinh T. Minh-Ha, African spaces: designs for living in Upper Volta, New York 1985. Siehe auch Jean-Paul Bourdier und Trinh T. Minh-Ha, Drawn from African Dwellings, Bloomington, Indiana, 1996.

20. Damit beziehe ich mich sowohl auf die etwas frühere Periode, als die Araber im 7. Jahrhundert nach Ägypten kamen, als auch auf die spätere Zeit, als die Araber aus dem Oman besonders an die afrikanischen Küste des Indischen Ozeans reisten (und bis in den Süden des heutigen Mosambik vorstießen, wo sie unter anderem Handel trieben).

21. V. Y. Mudimbe, The invention of Africa: gnosis, philosophy, and the order of knowledge, Bloomington 1988.

22. Andrew B. Smith, Pastoralism in Africa: Origins and Development Ecology, London 1992.

23. Ein Schlüsselpunkt ist das „Versagen“ der europäischen Aufklärung angesichts der Schwärze, wie im Fall des revolutionäre Haiti, das vom revolutionären Frankreich entdeckt wurde. ((Warum von der Übersetzerin markiert. Ferner: Was ist gemeint?))